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Martindale – Stoffe, die reibungslos funktionieren

In der Gastronomie gehört es zum guten Ton den Gästen bequeme und ebenso stabile Gastromöbel anzubieten, um darauf Platz zu nehmen. Dies verlängert die Verweildauer der Gäste im Lokal und führt so zu mehr zufriedenen und oft wiederkehrenden Kunden. Damit es so richtig bequem wird, sind viele Stühle, Sessel sowieso, entsprechend gepolstert. Nun ist Bequemlichkeit das eine, Stabilität das andere. Immerhin muss so ein Gastrostuhl oder zum Beispiel ein Cocktailsessel im Laufe seines Lebens eine Menge aushalten, und zwar nicht nur das Gestell, sondern ebenso der Bezugsstoff, was zu dem etwas seltsam anmutenden Begriff „Martindale“ führt, der bei der Qualität der Stoffe eine große Rolle einnimmt.

 

Was ist Martindale?

In der Welt der Stoffherstellung gibt es eine Vielzahl von Fachbegriffen, mit denen der Laie im ersten Moment nicht viel anfangen kann. Was ist zum Beispiel: “Kette und Schuss“. Was ist eine Leinwandbindung oder was bedeutet „changeant“?

Nun jedoch zum Begriff Martindale: Praktisch alle Stoffe aus Natur- oder Kunstfaser haben eine Gemeinsamkeit, sie unterliegen der Abnutzung durch Abrieb, was durch häufige Nutzung geschieht. Doch wie lässt sich Abrieb messen, der durch hunderte oder sogar tausende „Sitzungen“ oft über Jahre hinweg entsteht? Damit hier nicht tatsächlich Jahre gewartet werden muss, um zu wissen, wie stark ein Stoff dem Abrieb (Scheuerbeständigkeit) unterliegt, wurden im Laufe der Zeit verschiedene Messverfahren entwickelt, wobei sich das Martindale-Messverfahren bis heute zumindest im europäischen Raum als dauerhaft etablierte. Es stellt sogar die Grundlage für mehrere europäische und nationale Normen dar.

Seinen Ursprung hat das Martindale Verfahren im England der frühen 1940er-Jahre. Damals wurden zwei Forschungsorganisationen zusammengeschlossen. Das Shirley Institute in Leeds und die Wool Industrie Research Association in Manchester (WIRA). Noch heute testet WIRA Stoffe der unterschiedlichsten Art auf ihre Widerstandsfähigkeit. In den Kriegsjahren um 1940 wurde der bei WIRA tätige Dr. J. G. Martindale beauftragt, eine Maschine zu entwickeln, die die Abriebeigenschaften von mit Kohlenstoff imprägnierten Stoffen testen konnte. Diese Stoffe sollten dazu dienen, vor Gasangriffen zu schützen. 

Die Idee, wie so eine Maschine am effektivsten funktionieren kann, kam Dr. Martindale beim Anblick einer Spinnmaschine, die beim Strecken des Spinngarns zwei rechtwinklige, voneinander unabhängige Bewegungen ausführt und so Lissajous-Figuren erzeugt. In der Umsetzung werden ein Standardstoff und der zu testende Stoff auf zwei Platten montiert, die gegenseitig zueinander unter einer bestimmten Gewichtsbelastung laufen und dadurch Reibung erzeugen. Jede Doppelbewegung stellt ein Intervall dar. Im Laufe der Jahre hat sich für das einzelne Intervall die Bezeichnung Martindale eingebürgert, vermutlich deshalb weil so sofort die Art des Verfahrens zugeordnet werden kann. Im Weiteren wird die Häufigkeit der Bewegungen in Schleißzahlen oder Scheuertouren ausgedrückt. Interessanterweise ist über den Namensgeber und Erfinder des Martindale-Verfahrens so gut wie nichts bekannt, außer, das er bei WIRA während des Zweiten Weltkriegs tätig war.

 

Wie viel Martindale muss ein Bezugsstoff aushalten?

Für die Hersteller von Natur- oder auch Kunstgewebe gehört ein Martindale-Testgerät zur Standardausrüstung, da sich mit dessen Hilfe in kurzer Zeit die Belastbarkeit der Stoffe testen lässt und eine Nutzungseinteilung vorgenommen werden kann. Schon in den ersten Jahren des Einsatzes der Martindale-Geräte wurde von WIRA eine Skala erstellt, wobei dies eher Angaben allgemeiner Art sind, denn wie groß die Scheuerbeständigkeit eines Stoffes ist, hängt unter anderem auch davon ab, wie die darunter liegende Polsterung beschaffen ist. Im Detail kann aber auch das auf dem Martindale-Gerät simuliert werden. Allerdings setzt dies dann voraus, dass dieser Stoff ausschließlich mit dieser Polsterung verbaut wird. Da dies meist nicht praktikabel ist, stellen die folgenden Angaben also Richtwerte zur Scheuerfestigkeit der Stoffe dar:

  • 10.000 Scheuertouren geringe Nutzung in Privathaushalten
  • 15.000 Scheuertouren regelmäßige Nutzung in Privathaushalten
  • 20.000 Scheuertouren regelmäßige Nutzung im öffentlichen Raum
  • 30.000 Scheuertouren intensive Nutzung im öffentlichen Raum
  • 40.000 Scheuertouren sehr starke Nutzung im öffentlichen Raum
  • 200.000 Scheuertouren Beispielsweise Rettungskräfte- oder Polizeidienststellen

 

Der Test verläuft so lange, bis sich Beschädigungen am Stoff zeigen. Ursprünglich war vorgesehen, dass mindestens zwei Fäden im Gewebe gerissen sein müssen, es können aber auch andere Prioritäten festgelegt werden.

Nun kann ein und derselbe Stoff mit unterschiedlicher Gewichtsbelastung getestet werden, was natürlich dazu führen kann, das ein Stoff, der nur gering belastet wird, mehr Scheuertouren aushält und so eine höhere Belastungsfähigkeit vortäuscht. Wie bereits erwähnt, wurden die ursprünglich getesteten Werte der Martindale-Skala in die europäische Norm übernommen, bezüglich der Scheuerbeständigkeit ist dies die DIN EN ISO 12 947-2. Diese wiederum stellt in diesem Bereich die Grundlage für das EU-Produkthaftungsgesetz dar. Viele Hersteller lassen sich aber auch von staatlich zertifizierten Prüfstellen bezüglich der Stoffqualität testen.

 

Martindale Skala für Gastromöbel?

Das ein gepolsterter Stuhl im Restaurant oder der Sessel in der Hotellobby etwas mehr aushalten muss als die Wohnlandschaft im eigenen Wohnzimmer, ist wohl selbstverständlich. Es dürfen dementsprechend schon zwischen 30.000 und 40.000 Schleißzahlen gemäß der Martindale Skala sein, wenn es um die Anschaffung neuer Gastromöbel mit Polsterbezügen geht. Eine weiche Unterpolsterung sorgt hierbei zusätzlich für eine längere Haltbarkeit des Stoffes und in der Regel ist auch der Gast darüber erfreut, wenn beim Sitzen der Widerstand so gering wie möglich und so fest wie nötig ist. Da schließt sich wieder Kreis in Bezug auf das Sitzfleisch, das mit der entsprechenden Polsterung mehr Ausdauer erhält, was dem oder der Gastronomin nur recht sein kann.

Wenn Sie weitere Informationen zu den Messverfahren, unseren Bezugsstoffen oder zu anderen Themen rund um Objektmöbel haben, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. Das KASON Team freut sich auf Sie.

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